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Die Erklärung der Initiative Für freie Hochschulen

Die akademischen Freiheiten und Selbstverwaltung der Hochschulen wurden von Studenten und Pädagogen als ein Teil der erneuerten Freiheiten der ganzen Gesellschaft vor zwei Dekaden gewonnen. Für frei halten wir die Hochschulen in dem Fall, wenn die akademische Gemeinde mit adäquater Vertretung von Studenten, Lehrkraft sowie von Wissenschaftsarbeitern über alle wichtigen Fragen der Hochschule demokratisch und unabhängig vom äußeren politischen und ökonomischen Druck entscheidet. Die gegenwärtige Regierung bedroht diese Freiheiten mit den zu durchsetzenden Veränderungen der Hochschulgesetze grundsätzlich.

Wir verteidigen nicht den status quo der öffentlichen Hochschulen - wir als akademische Gemeinde kennen ihren Status besser als irgendein Staatsbeamte oder Politiker, der die Veränderungen vorbereitet. Ist es aber nicht alarmierend, dass zu beiden gesetzgeberischen Intentionen der Rat für Hochschulwesen, die Tschechische Rektorenkonferenz und die überwiegende Mehrheit der akademischen Senate eine ablehnende Stellung eingenommen haben? Deshalb lehnen wir nicht nur die beiden oktroyierten Intentionen ab, sondern betonen zugleich: das Problem der Intention steckt nicht in den Details und Formulierungen, die vielleicht ein klügerer Minister besser erklärt hätte. Nein. Wir lehnen die Ideengrundlage der Hochschulreformen, ihre Ziele als auch die Methode der Durchsetzung ab.

Die ministerialen Reformatoren glauben, dass der Markprinzip und die Managerführung den anderen Organisationsprinzipien der öffentlichen Institutionen übergeordnet sind. Hiervon gibt es nur einen Schritt zur simplifizierenden Anschauung der Bildung als Ware, welche die Studenten wohl befummeln, loben, kaufen oder sein lassen können, und später in Form ihrer Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt verkaufen werden.

Der Sinn und die Berufung der Hochschulen finden wir aber in etwas anderem. Sie bestehen in der Erkenntnis der Welt, für manche auch in seiner Veränderung und in der Vermittlung vom Erkannten den anderen. Der Lehrer und der Schüler sind da nicht bloß einander wegen oder sich selbst zuliebe, beide sind hier wegen der Wissenschaft; einer allgemeinen sowie konkreten. Die Hochschulen spielen zugleich eine unvertretbare Rolle im Bildungswesen, sie erziehen zu der Kraft, nicht auf einem vorweg erzeugten Weltbild teilzuhaben, d. h., zu einem selbstständigen und kritischen Denken. Darin sind sie außergewöhnlich. Den Nutzen dieser Ausnahme reservieren sie nicht für sich selbst : in Form eines öffentlichen Gutes dient er der ganzen Gesellschaft. Und demokratische Gesellschaften sollten unserer Überzeugung nach ohne weitere Gebühre einem jeden eine Ausbildung in Abhängigkeit von seiner Fähigkeiten ermöglichen.

Die Grundvoraussetzung für die Existenz der freien Hochschulen ist ihre Selbstverwaltung. Worin besteht sie? Sie besteht in der Freiheit, die Leitung zu wählen und zurückzurufen, die Art von Anwendung der von der Gesellschaft zugeteilten Mittel festzusetzen und das zu bestimmen, womit sich die Hochschulen befassen werden.

Die von der Regierung entworfenen Gesetzte sollen diese Freiheiten beschneiden. Was hätten sie zufolge? Eine Beschränkung der Wählbarkeit der Hochschulleitung durch die akademische Gemeinde, Umformulierung der Kompetenzen und Ersetzung eines Teils der Wahlen durch Ernennung von oben. Weiter eine Beschränkung der Kompetenz, mit den anvertrauten Mitteln aufgrund eigener Entscheidung zu disponieren, Eindringen privater finanzieller und geschäftlicher Interessen in die Hochschulwirtschaft, Einschränkung einer freien Forschung, und eine Unterordnung der Unterricht und Forschung den aktuellen Bedürfnissen des freien Marktes. Auch die Hochschulen sollen sich der unsichtbaren Hand des Marktes fügen: Forscher sollen im Auftrag arbeiten, Lehrkräfte sollen das unterrichten, was momentan der Arbeitsmarkt nachfragt, Absolventen sollen Fachidioten werden; Produkte mit gründlich internalisierter Bereitschaft einem privaten Interesse zu dienen. Die Hochschulen sollen zu Leibeigenen werden.

Wir fordern deshalb nicht nur die akademische Gemeinde, sondern auch die breite Öffentlichkeit auf, uns in der Verhinderung dieses Prozesses zu helfen! Nehmt an den Protesten teil! Wir kämpfen nicht um eigene Privilegien, sondern verteidigen die Freiheit der Forschung und deren Anwendung und damit auch die Freiheit der Gesellschaft als solcher.

Initiatoren

Karolína Babíčková Karolína Chloubová Hana Nováková
Vít Bejček Jan Chmelíček David Pavlorek
Tomáš Beka Petr Klika Jiří Pilip
Otakar Bureš Štěpánka Klímková Apolena Rychlíková
Richard Ciesler Kateřina Kňapová Luboš Rypka
Václav Drozd Michael Komm Vít Strobach
Alice Červinková Kateřina Konaříková Matěj Stropnický
Helena Exnerová Václav Krajňanský Michal Uhl
Dominik Forman Kateřina Krejčová Iva Větrovcová
Petr Glivický Radoslava Krylová Michaela Vojtková
Jan Gruber Jan Kviz Václav Walach
Marta Harasimowicz Jan Martínek
Karel Chlouba Lukáš Matoška

Erste Unterzeichner

Prof. Pavel BaršaIng. Věra Roubalová-Kostlánová
Bohumír Dufekprof. JUDr. N. Rozehnalová,CSc.
Prof. PhDr. Tomáš Halík Th.D.Břetislav Rychlík
prof. PhDr. Jaroslav Hroch, CSc.Doc. MgA Olga Sommerová
Mgr. Jiří HromadaMgr. Anna Šabatová Ph.D.
Vít JanečekPhDr. Jiřina Šiklová CSc.
Prof. PhDr. Josef Jařab, CSc.Doc. Ing. Ilona Švihlíková Ph.D.
Prof. PhDr. Jan Keller CSc.Karel Vachek
Prof. Erazim Kohák PhD.Prof. PhDr. Zbyněk Vybíral, PhD.
Mons. Václav MalýProf. Jiří Zlatuška
Martin C. PutnaProf. Stanislav Štech

Die komplette Liste der Unterzeichner und ihre Botschaften finden Sie HIER.